Arno Bojak – Unstern vs. Unixtag

Malerei / 05. März bis 30. Mai 2021

Showroom der Galerie ARTAe, Menckestr. 3, 04155 Leipzig

Eröffnung, Finissage und weitere Veranstaltungen finden je nach Möglichkeit statt.

Arno Bojak ,der 1974 in Wuppertal geborene und Heute in Berlin lebende Maler ,arbeitet seit 2018 an seinem dreiteiligen Großprojekt „Totentanz“ ,von dem die Galerie Artae zur Zeit Werke aus dem Mittelteil – „Purgatorium“ – unter dem poetischen Titel „Unstern vs. Unixtag“ zeigt .

Bojak ist bekannt dafür ,scheinbar Abseitiges und bislang Übersehenes zum Thema seiner Arbeiten zu machen .Und gerade das Mißgeschick ,ebenso wie der Unfall gehört zu den weidlich unbeackerten Feldern der Kunst .

Zwar ist das zwischenmenschliche Drama – vulgo : Mord und Totschlag – vor allem in früheren Jahrhunderten ein beliebter Gegenstand der Künste gewesen ,das mal kleinere ,mal größere Mißgeschick ,das dem Einzelnen passiert ,wurde als Thema jedoch beiseite gelassen .Einzige retrospektiv war es ,quasi im Erlösungsmoment ,für einige Künstler interessant ,was die motivische Beliebtheit des „Dornauszieher“ beweist .

Arno Bojak dagegen geht es gerade nicht um bloße Erlösung ! Er dekliniert – und dies ist typisch für ihn – das Thema Mißgeschick quasi durch ,vom kleinsten privaten Schaden bis in die größtmögliche persönliche ,weil tödliche Katastrophe .

Er zeigt uns sowohl den Moment kurz vor dem Unglück „Neulich beim Spaziergang“ ,ebenso wie den Augenblick der Katastrophe „Neulich bei Regen“ ,als auch den Zustand unmittelbar nach dem Desaster „Neulich an der B 6“ .

Seine linienbetonte Malerei ,ebenso wie die flächengebundene Farbigkeit ,verweist die Betrachter ins Reich der Kirchenfenster wie der Comics und die thematische Breite der Bilder wurde offensichtlich angeregt vom Erfinder der Bildgeschichte ,Wilhelm Busch ,mit dem Arno Bojak seinen beißenden Humor teilt : der eine wie der andere gehen motivisch nachgerade über Leichen .

Die innerhalb der Liniengeflechte geblähten Volumina dagegen entrücken die Szenen von der weltlichen Realität und verweisen auf den größeren bojakschen Themenzusammenhang – das Purgatorium als Zwischenreich im Schwarzen Loch ,dem Ort an dem alles gleichzeitig geschieht ,das Positive wie das Negative – der ideale Platz für Murphy’s Law : Was schief gehen kann ,wird schief gehen .

Arno Bojak jedoch steht jenseits der Fegefeuer-Tradition der Kirchenmaler .Er bricht den christlichen Sinnzusammenhang ironisch ,indem er einerseits die Katastrophen auf die Spitze treibt und sie andererseits mit der folgenlosen Harmlosigkeit des Comics kontert .Was als entscheidender Bildmoment bleibt ist der der menschlichen Tragikomödie ,die den Betrachter aus dem Bild heraus grimmig anlacht .

Adolf H. Kerkhoff

Exzerpt aus einem umfangreichen Text zu „Arno Bojak – Totentanz“