© Gerd Klemm, Berlin

Claudia Hauptmann

Penelope
2009
Öl auf Leinwand
140 x 100 cm


„Penelope“ wartete quasi 20 Jahre auf ihren Ehemann. Zuerst war er 10 Jahre
im Krieg und dann weitere 10 Jahre auf dem Meer. Während dieser Zeit
hatte Penelope ständig Verehrer im Haus, wurde umgarnt und musste
nach damaligem Hausrecht und Gepflogenheiten auch jeden Gast bewirten.
Sie webte die ganzen Jahre an dem Totentuch ihres Schwiegervaters,
was ebenso üblich war. Nur trennte sie das Tuch immer wieder auf,
damit sie nicht fertig wird. Auf dem Tuch in der Version von Claudia
Hauptmann sehen wir die Szene der singenden Sirenen. Diesem Gesang
konnte keiner entrinnen. Ein Schiff nach dem anderen zerschellte
an den Klippen. Nur der Trick mit dem Wachs in den Ohren half,
diesem Locken zu entkommen.

Pfirsich farben in engem zeitgemäßen Kleid bekommen wir Einblick
in das tägliche Widerstehen der Penelope. Durch den Stoff hindurch
wird sie mit gierigen Zungen, schlüpfrigen Garnrollen und verwelkten
Blumen zu verführen versucht. Ihre Körperlichkeit wird durch die
Farbigkeit des Kleides und dass sie barfuss ist unterstrichen. Im
Grunde schaut sie hilfesuchend zum Betrachter und ist sich über
die Situation nicht ganz sicher.

Der klassische Farbtrias „Rot-Gelb-Blau“ der auch immer wieder
in den Werken der Meister des Mittelalters und der Renaissance
genutzt werden, moduliert Claudia Hauptmann hier höchst delikat
und komponiert genial.


Auszug aus der Rede von Sabine Aichele-Elsner, März 2009


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