© Gerd Klemm, Berlin

Claudia Hauptmann

Kunstbetrachtung I.
2008
Öl auf Leinwand
200 x 120 cm


Eine weitere Premiere in dieser Ausstellung sind die Meisterwerke
„Kunstbetrachtung 1 und 2“. Wir, als Betrachter werden zum beobachteten
Objekt. Sicher glaubt jeder die ein oder andere gemalte Figur wieder-
zuerkennen, doch nur bei einigen wenigen standen reale Personen Pate.
Ansonsten ist es der Malerin gelungen Archetypen zu schaffen, wie
man sie auch aus dem Kunstgeschehen kennt. Wer wie wir, als ARTAeisten
mehrmals jährlich auf diversen Kunstmessen, Museen oder auch Galerien
unterwegs ist, erspürt die ganze Spanne der sehr speziellen Körper-
sprache und Art des Kunstbetrachtens. In diesem Bild äugt kritsch
der amerikanische Portraitist, spekulierend ein berühmter Kunstsammler,
neugierig ein junges Paar, wissend ein erfahrener Professor und
verspielt ein kleiner Junge. Die besondere Haptik durch die
reale Stofflichkeit verleitet hier beinahe wieder zum „Anfassen
wollen“. Das sehr fein ausgearbeitete rot-gemusterte Hemd, der
Pelz reichts oben im Bild, die verschiedenen Farben und Stoffe
verleihen dem Bild eine unglaubliche Lebendigkeit. Wenn man mal
einzelne Farben betrachtet, wie z.B Rot, so fallen die vielen
Varianten auf, vom Hemd, über die Innenseite des Mantels, die
Halskette der Dame und den rostroten Mantel des jungen Mannes
links im Bild, die rote Schleife bzw. Verzierung am Hut der Frau
rechts oben und die Kinderzeichnung des Jungen im Vordergrund.
Der Junge selbst nimmt durch den Zeigegestus den Gedanken des
„Anfassen wollens“ und der damit zusammenhängenden Haptik
wieder auf. Durch das abstrakte goldene Bild im Hintergrund
des museumsartigen Raumes erhält dieses Meisterwerk noch eine
weitere Tiefe und Räumlichkeit.

Neben der grandiosen Komposition, Vielschichtigkeit und tech-
nischen Perfektion besticht dieses Bild durch die simple Frage,
wie wir eigentlich Kunst betrachten und schließlich bewerten.
Ist es ein Kennerblick, ein spekulativer Blick, ein verspielter.....
und wer legt die Kriterien fest.

Auszug aus der Rede von Sabine Aichele-Elsner, März 2009


Fenster schließen