© Foto: Andreas Döring, Leipzig
Claudia Hauptmann
Schlaf der Musen 2
2008
Öl auf Hartfaser
100 x 140 cm
Claudia Hauptmann, eine der raren Meisterschüler von Gudrun Brüne,
die ideenreich, inhaltsstark, meisterhaft Klassiker neu in Szene
setzt. Claudia Hauptmann, die den Spannungsbogen von historisch,
antiken Themen mit dem heutigen Blick höchst elegant spannt.
Claudia Hauptmann, die man nicht in die Schublade der Altmeister
einordnen kann, die nicht nur rezitiert, sondern immer ins jetzt
und heute führt. Souverän pendelt sie zwischen den Genres,
beherrscht lässig das Augentäuschende, gibt aber nicht der
Verführung nach die Motive tot zu malen, sondern feiert die
sprühende Lebensfreude und Lebendigkeit.
Jedes Bild hat seinen Resonanzraum, seine bedeutungsschwere
Vielschichtigkeit und behält dabei jedoch seinen Humor.
Die neun Musen sind die Göttinnen der Musik, des Tanzes, von Gesang,
Dichtung, Geschichtsschreibung und der Astronomie. Die Töchter von
Zeus werden gerufen um zu inspirieren und helfen Suchenden auch
manchmal den rechten Weg zu finden. Es sind die göttlichen Jungfrauen,
die an der Quelle sitzen, tanzen und musizieren. Die Begabung der Musen
drückt sich z.B. in dem folgenden Satz aus: „Oh hätte ich nur alle
Kunst der Musen...“ Diese göttlichen Wesen hatten also durchaus
Einfluss und Macht. Doch wie sieht das Claudia Hauptmann?
Die neun Musen, üblicherweise in wallenden Kleidern, künstlerisch
inspirierend, stets gutgelaunt und vor allem schön, werden von
Hauptmann als erotische Lustobjekte inszeniert. Haben sich die
Töchter des Zeus etwa verausgabt? Schaffen sie es nicht mehr die
Schriftsteller, Musiker, Maler anzuregen? Was ist nur mit den
Musen los? Leiden die zeitgenössischen Musen etwa am Burnout-
syndrom, schlafen sie vor Langeweile oder Ideenlosigkeit? Deutschland,
Land der Ideen – haben die ideengebenden Musen eigentlich noch
Kraft? Gibt es heutzutage – im Zeitalter der Emanzipation – noch
Musen? Nach Claudias Blick zu urteilen, befinden sich die Musen
nicht an der Quelle, sondern schlafen lasziv auf trockenem
Boden in dürrer Landschaft und haben Ihre Attribute neben
sich liegen.
Auszug aus der Rede von Sabine Aichele-Elsner, März 2009
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