Spiegelpyramide

Januar 2009, HD-Video, PAL, 16:9, 40 min

Ronald Gerber öffnet sich. In diesem 40 minütigem Video stellt er uns drei Personen vor,
die sich den engen Platz in ihm teilen müssen, obwohl sie kaum unterschiedlicher sein
könnten. Henning Suess, Yves Mertens und Jens Friebel stehen für Biografien, Weltbilder
und Lebensstrategien, die zwar schrullig und verschroben sind, für sich genommen aber
plausibel und authentisch wirken. Aufeinander losgelassen geraten diese inneren Anteile
aber in harte Konkurrenz um Sinn und Unsinn und richtig oder falsch.

Ronald Gerber verschließt sich. Dreimal inszeniert er sich als Prototyp einer Künstler-
persönlichkeit wohlwissend, dass er nicht überzeugen kann, solange er sich nicht für
eine davon entscheidet sondern alle drei parallel anbietet. Er macht keinen Hehl daraus,
dass kaum ein Mythos ohne Inszenierung auskommt und dass dieses Wissen uns den Spaß
am Mythos verdirbt, weil es uns ahnen lässt, dass die Realität oft profaner ist als
uns lieb wäre.

Ronald Gerber sucht sich selbst. Wie beim Schiffe versenken lotet er aus, was er alles
nicht ist. Als trauere er um verschenktes Potential, rekonstruiert er, was aus ihm
hätte werden können, wenn er an diesem oder jenem Punkt in seinem Leben anders abgebogen
wäre. Und wie bei einer Rasterfahndung nach sich selbst, versucht er das einzukreisen
was er wirklich ist. Natürlich stolpert er über das Wort Wirklichkeit und inszeniert
seinen darauffolgenden Sturz ironisch, poetisch und ohne Angst davor, in seiner
Eitelkeit eine schlechte Figur zu machen. Und erneut befragt Ronald Gerber den
Kunstmarkt. Alle drei vorgeführten Künstler leiten aus ihrer Weltsicht nämlich ein
Kunstwerk her, das sich nahtlos in ihr Denken und bisheriges Schaffen einfügt.
Er verblüfft, weil er drei Künstler das exakt gleiche Werk erfinden lässt:
Eine verspiegelte Pyramide mit dreiseitiger Grundfläche, die der Arbeit ihren
Namen gab: Spiegelpyramide.

Gerber führt vor, dass jedes Kunstwerk erst durch den Kontext in dem es präsentiert
wird seine Bedeutung erlangt, ebenso wie jeder Mensch erst durch das was ihm in seinem
Umfeld widerfährt seine vermeintlich immanente Persönlichkeit entwickelt. Neben
Gerbers schauspielerischer Leistung, beeindruckt diese Arbeit durch ihre Balance
von Ernsthaftigkeit und Witz. Die Realitätskonstruktionen der drei Protagonisten
sind wohl überlegt, pointiert formuliert, reflektieren die Kunst und wie man
darüber denken könnte. Die Wahrheit – wenn es sie überhaupt gibt - liegt wie immer
irgendwo dazwischen.

Ronald Gerber regt wie immer an, unterhält, irritiert, ist ernst, provokant und dabei
stets poetisch.

Pressetext von Sabine Aichele-Elsner, Galerie Artae, Januar 2009


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