Schlaf der Musen /Sleep of Muses / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2009

Magischer Realismus oder können Zitronen fliegen? / Magic realism or can citrons fly? / Sabine Aichele-Elsner / 2007

Portraits und Allegorien bei Claudia Hauptmann / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2004

Zu "Das Fest" und "Die Erschaffung Adams" / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2004

Rede zur Ausstellung „5 Jahre Kunstpreis – Europäische Frauenforum“ / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2007
 
Claudia Hauptmann: Die Meisterin der Altmeister. Ich kenne wirklich keinen Künstler,
bzw. keine Künstlerin, die in diesen Sphären von technischer Perfektion in Malerei
und darüber hinaus mit einer riesigen Portion Humor und Ironie klassische Themen
wie z.B. die Medusa, die Pietà oder auch das Verhältnis von Adam und Eva aufnimmt,
entwickelt und sehr eigenwillig umsetzt. Die Medusa z.B. lebt nicht nur bei Claudia
Hauptmann, sondern sitzt mit zu Zöpfen gebundenen Schlangenhaaren auf einer Balkon-
brüstung in Berlin vor dem Fernsehturm des Alexanderplatzes. Ihre Arme reisst sie
wild in die Höhe und hält an den roten feinen Fäden den von ihr geborenen Pegasus,
der als Gott der Poesie noch im Moment des Todes von Medusa geboren wird. Oder
auch die Pieta-Darstellung ist sehr außergewöhlich...

Die „Melancholie des Papageno“ entstand während des Aufenthaltes am Bussen in
Uigendorf 2004, wodurch sich die Landschaft erklärt. Es ist nicht nur ein Werk
inspiriert zu Mozarts Zauberflöte, sondern nimmt diese Figur und Geschichte auf,
verwandelt sie und erfindet etwas ganz Neues. Der Vogelfänger Papageno sitzt
mit dem Käfig vor einer Art Vogelscheuche. Die Haltung des Papageno kann als
Zitat der berühmten Melancholie von Albrecht Dürer oder auch im Zusammenhang
des Rodin`schen Denkers gesehen werden. Man findet also immer wieder kunst-
historische Verbindungen in Claudia Hauptmanns Werken. Und trotz dieser Ver-
knüpfung mit Früheren Epochen, wie z.B. dem Barock oder der Renaissance,
gelingt es der Voll-blut-Malerin den Bogen zur Jetzt-Zeit zu spannen.

Die Verbindung von absoluter technischer Perfektion und rätselhaft religiösem
Inalt stellen das Spannungsfeld der Malerei von Claudia Hauptmann dar. Sie zeigt
uns nicht nur klar Erkennbares, sondern führt z.B. eine Zitrone in heilige
Gefilde, lässt toten Fisch wieder auferstehen, verwandelt Brot in einen
männlichen Leib, der begehrt und beweint wird. Sie zeigt uns innerhalb des
Realismus magische Momente. Dies ist auch der Grund dafür, dass ich die
Malerei von Claudia Hauptmann als „Magischen Realismus“ bezeichne.

Sabine Aichele-Elsner MA, Leipzig



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