Schlaf der Musen /Sleep of Muses / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2009

Magischer Realismus oder können Zitronen fliegen? / Magic realism or can citrons fly? / Sabine Aichele-Elsner / 2007

Rede zur Ausstellung „5 Jahre Kunstpreis – Europäische Frauenforum“ / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2007

Zu "Das Fest" und "Die Erschaffung Adams" / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2004


Portraits und Allegorien bei Claudia Hauptmann / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2004
 
Von den Portraits „Bildnis Ina“, „Filomena“, „Siegbert“ und „Bildnis Liane“ ist
das „Bildnis Siegbert“ von 1996 das älteste Bild in dieser Ausstellung. In
blauer Hose, rotem Hemd, die Uhr über dem Hemd tragend, sitzt er völlig
präsent vor einer halbrunden Nische. Das Blau der Hose wird wieder in den
Pilastern aufgenommen. Auf mittlerer Höhe des Unterarmes befindet sich eine
rote runde Zierde. Das helle Licht, welches ihm weiß ins Gesicht fällt, kommt
von rechts. Der Hintergrund ist farblich sehr fein abgestimmt und für
Hauptmanns Malerei kennzeichnend ruhig. Durch den freien Hintergrund wird
der Blick des Betrachters immer wieder auf das Gesicht des Portaitierten
gelenkt. Der Hintergrund und das Umfeld der Portraitierten ist so ruhig
belassen, dass es keine Ablenkung gibt und der Mensch und sein Charakter
gänzlich durch das Gesicht, den Blick, die Haltung des Körpers und der Hände
sowie der Kleidung abzulesen ist.

Das „Bildnis Liane“ geht für mich über das reine Genre der Portraitmalerei hinaus.
Es bezieht sich zwar auf die konkrete Person Liane, aber die Schönheit der jungen
Frau, die Faszination des Kleides und vor allem der direkte Blick und die Armhaltung
machen für mich das „Bildnis Liane“ zu einer Metapher bzw. Allegorie der Empfängnis,
Offenheit, Klarheit und Schönheit. Es tut gut, dieses Bild anzuschauen und
eigentlich müsste man jeden Morgen / Tag einen Blick darauf werfen und sich prüfen,
ob man diese offene, empfangende und klare Haltung eingenommen hat.

Weitere Allegorien sind „Das Kleid“, „Die Vase“, Nächtliche Siegerin“, „Das rohe Ei“,
„Frauenschuh?“, „Immakulata“ und „Nach der Vorstellung“. Der Begriff Allegorie
kommt aus dem Griechischen und heißt „es anders sagen“. Abstrakte Begriffe wie
z.B. die Schönheit, die Jugend wurden in Form einer Person oder auch durch
Gegenstände vermittelt. Bereits in der Antike wurde es als Ausdruck für „bildliches
Reden“ verwendet. Typisch für Allegorien ist die Symboldeutung und der Verweis
über das hinaus was es darstellt.

Nicht nur bei den Allegorien sonder zu Ihrer Malerei allgemein ist zu sagen, dass
neben der technischen Vollkommenheit, der spielerische und perfekte Umgang mit
Licht beeindruckt. Denn durch die intensive Licht- und Farbmodulation werden die
Tücher und Stoffe so klar herausgearbeitet, dass man als Betrachter Baumwolle,
Leder, Seide oder Samt regelrecht erfühlen kann. Der Hintergrund ist meistens
einfarbig und dunkel gehalten. Dadurch ist der Raum im Hintergrund unkonkret und
unterstreicht zugleich durch die Dunkelheit die Plastizität des Dargestellten.
Denn vor einem relativ monochromen dunklen Hintergrund kommt die davorliegende
Form noch dreidimensionaler, greifbarer und realer zur Geltung. Außerdem wird
der barocke Gedanke unterstrichen, der durch den dunklen Hintergrund auf das
Jenseits verweist. Durch den Verweis auf ein Nichts wird das, was ist, das
existierende Etwas nochmals unterstrichen.

Claudia Hauptmann setzte sich viel mit dem Mittelalter auseinander und ist
von der verspielten Bildwelt fasziniert. Dazu kommt die Begeisterung für die
Epoche des Barock, womit die beiden Hintergründe, Einflüsse und Inspirations-
quellen benannt sind. In altmeisterlicher Maltechnik, mit ausgesuchten Attributen,
verschiedensten Gesten, Haltungen oder Instrumenten präsentiert die Malerin die
Figuren. Oftmals werden die Personen auch mit einer uns bekannten Mode kombiniert.
So tauchen z.B. weiße Stoffturnschuhe, blaue Jeans, ein silberner Kreolenohrring
oder wilde und offen getragene Haare unvermutet auf und irritieren die übliche
Sehgewohnheit. Diese Kombinationen evozieren einerseits einen Wiedererkennungswert
und irritieren andererseits bzw. machen neugierig. Die Malerin bleibt nicht im
Abbildhaften kleben, im Gegenteil, sie erfindet neue Kombinationsmöglichkeiten
von Kleidung, Attributen, Haltungen und Ausdrucksweisen, die verschiedene
Realitätsebenen andeuten und vermitteln.

Sabine Aichele-Elsner MA, Leipzig



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