Portraits und Allegorien bei Claudia Hauptmann / Sabine Aichele-Elsner MA/ 2004 |
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Von den Portraits „Bildnis Ina“, „Filomena“, „Siegbert“ und „Bildnis Liane“ ist das „Bildnis Siegbert“ von 1996 das älteste Bild in dieser Ausstellung. In blauer Hose, rotem Hemd, die Uhr über dem Hemd tragend, sitzt er völlig präsent vor einer halbrunden Nische. Das Blau der Hose wird wieder in den Pilastern aufgenommen. Auf mittlerer Höhe des Unterarmes befindet sich eine rote runde Zierde. Das helle Licht, welches ihm weiß ins Gesicht fällt, kommt von rechts. Der Hintergrund ist farblich sehr fein abgestimmt und für Hauptmanns Malerei kennzeichnend ruhig. Durch den freien Hintergrund wird der Blick des Betrachters immer wieder auf das Gesicht des Portaitierten gelenkt. Der Hintergrund und das Umfeld der Portraitierten ist so ruhig belassen, dass es keine Ablenkung gibt und der Mensch und sein Charakter gänzlich durch das Gesicht, den Blick, die Haltung des Körpers und der Hände sowie der Kleidung abzulesen ist. Das „Bildnis Liane“ geht für mich über das reine Genre der Portraitmalerei hinaus. Es bezieht sich zwar auf die konkrete Person Liane, aber die Schönheit der jungen Frau, die Faszination des Kleides und vor allem der direkte Blick und die Armhaltung machen für mich das „Bildnis Liane“ zu einer Metapher bzw. Allegorie der Empfängnis, Offenheit, Klarheit und Schönheit. Es tut gut, dieses Bild anzuschauen und eigentlich müsste man jeden Morgen / Tag einen Blick darauf werfen und sich prüfen, ob man diese offene, empfangende und klare Haltung eingenommen hat. Weitere Allegorien sind „Das Kleid“, „Die Vase“, Nächtliche Siegerin“, „Das rohe Ei“, „Frauenschuh?“, „Immakulata“ und „Nach der Vorstellung“. Der Begriff Allegorie kommt aus dem Griechischen und heißt „es anders sagen“. Abstrakte Begriffe wie z.B. die Schönheit, die Jugend wurden in Form einer Person oder auch durch Gegenstände vermittelt. Bereits in der Antike wurde es als Ausdruck für „bildliches Reden“ verwendet. Typisch für Allegorien ist die Symboldeutung und der Verweis über das hinaus was es darstellt. Nicht nur bei den Allegorien sonder zu Ihrer Malerei allgemein ist zu sagen, dass neben der technischen Vollkommenheit, der spielerische und perfekte Umgang mit Licht beeindruckt. Denn durch die intensive Licht- und Farbmodulation werden die Tücher und Stoffe so klar herausgearbeitet, dass man als Betrachter Baumwolle, Leder, Seide oder Samt regelrecht erfühlen kann. Der Hintergrund ist meistens einfarbig und dunkel gehalten. Dadurch ist der Raum im Hintergrund unkonkret und unterstreicht zugleich durch die Dunkelheit die Plastizität des Dargestellten. Denn vor einem relativ monochromen dunklen Hintergrund kommt die davorliegende Form noch dreidimensionaler, greifbarer und realer zur Geltung. Außerdem wird der barocke Gedanke unterstrichen, der durch den dunklen Hintergrund auf das Jenseits verweist. Durch den Verweis auf ein Nichts wird das, was ist, das existierende Etwas nochmals unterstrichen. Claudia Hauptmann setzte sich viel mit dem Mittelalter auseinander und ist von der verspielten Bildwelt fasziniert. Dazu kommt die Begeisterung für die Epoche des Barock, womit die beiden Hintergründe, Einflüsse und Inspirations- quellen benannt sind. In altmeisterlicher Maltechnik, mit ausgesuchten Attributen, verschiedensten Gesten, Haltungen oder Instrumenten präsentiert die Malerin die Figuren. Oftmals werden die Personen auch mit einer uns bekannten Mode kombiniert. So tauchen z.B. weiße Stoffturnschuhe, blaue Jeans, ein silberner Kreolenohrring oder wilde und offen getragene Haare unvermutet auf und irritieren die übliche Sehgewohnheit. Diese Kombinationen evozieren einerseits einen Wiedererkennungswert und irritieren andererseits bzw. machen neugierig. Die Malerin bleibt nicht im Abbildhaften kleben, im Gegenteil, sie erfindet neue Kombinationsmöglichkeiten von Kleidung, Attributen, Haltungen und Ausdrucksweisen, die verschiedene Realitätsebenen andeuten und vermitteln. Sabine Aichele-Elsner MA, Leipzig |