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Aus der Luft gegriffen /
Out of Thin Air / Sabine Aichele-Elsner / 2008 Rede zur Eröffnung / Detlef Mallwitz / 2007 statements / Alexandra Karrasch / 2006/07 Konkrete Kunst oder verborgene Poesie? / Sabine Aichele-Elsner MA / 2007 Transformation als Erkenntnis - das Sichtbare hinter den Dingen / Erik Buchheister / 2007 english version coming soon |
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„Dort und damals fand ich ihre Ähnlichkeit“ (J.B.): Installationen und Objekte von Alexandra Karrasch - Ausstellung in der Galerie Artae Leipzig noch bis 30. Juni 2007 Die 1967 in Bad Kreuznach geborene Künstlerin, nach dem Kunststudium am Royal College of Art in London durch verschiedene Stipendien (unter anderem am Irish Museum in Dublin und durch die Karl-Hofer-Gesellschaft in Berlin) im In- und Ausland kenntnisreich tätig gewesen, hat sich der Umwandlung von Materialien und dem Erkennen des nicht auf Anhieb Sichtbaren verschrieben. Die Arbeiten eines einjährigen Experimentierens werden in der Installation „Dort und damals fand ich ihre Ähnlichkeit“ (J.B.) mit Objekten aus und mit dem Staub von Schmetterlingen, Eierschalenobjekte und Schellack- arbeiten in der Galerie Artae in Leipzig präsentiert. Der Titel ist Programm: Ähnliches, Verwandtes wandelt sich in einem kreativen Prozess, dessen temporäre Dauer von der Art des Materials und dem inneren künstlerischen Prozess der Durchdringung abhängt. Entscheidend ist hier die Sicht hinter dem objektiv Fasslichen; diese faszinieren die Künstlerin und bilden gleichzeitig einen Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Kupferdraht, Graphitminen, Durchschlagpapier, Eierschalen oder der Staub von Schmetterlings- flügeln: Alles wächst in der Transformation von Alexandra Karrasch zu etwas innovativ Anderem. Nicht nur das Material selbst, dessen kraftvolle Eigen- dynamik stark und prägnant für sich selbst spricht, wird verwandelt, sondern auch dessen ureigenster Charakter. Dreidimensionales wird flächig, Schweres wird leicht, Ovales wird quadratisch. Die Oberflächenstruktur eines jeden Materials gewinnt in der Bearbeitung eine eigenwillige Form mit unterschied- lichsten Ebenen. Im Zuge der Transformation wachsen Struktur, Beschaffenheit und haptische Bezugsgrößen zu einem neuen Kontext. Der immanente Diskurs in sich und mit dem Material lässt die Beziehungs- und „Be-Rührungspunkte“ verschwinden - zumindest soweit, bis der Betrachter neue Betrachtungsper- spektiven erkennt und diese zu reflektieren vermag. Die Dynamik der Ver- änderung bleibt jedoch sehr subtil und vorsichtig. Es ist keine harte stoff- immanente Neuformung, die die Künstlerin entstehen lässt. Vielmehr inspiriert das Spannungsvolle zwischen Bekanntem und Unbekanntem eine neue Erfahrung, ein Sichtbarmachen des scheinbar Unsichtbaren, etwas, das zwar inhaltlich im Objekt selbst liegt, aber so nicht offensichtlich ist. Das Ähnliche, das im Zitat des bekannten Literaten John Berger der Ausstellung programmatisch ihren Namen gibt, impliziert etwas unbestimmt Klares, etwas, von dem wir erahnen, was es sein könnte, ohne jedoch genau zu wissen, was dies wirklich sei. Wir vermuten und wir sehen diese Ähnlichkeit, erkennen in den Werken der Künstlerin dieses Unbestimmte, werden also selbst zu Reflektoren des Geschaffenen. Und diese Dualität des Erkennens ist neu, aufregend, anregend. Der haptische Zugang ist somit „fass-bar“, die Transformation dient nicht nur einer Visualisierung, sondern bleibt direkt erfühlbar wie beispielsweise in den Eierschalenprojekten der Künstlerin. Sie verändern ihre Struktur, indem sie in einen neuen künstlerischen Kontext gestellt, verschachtelt, angeordnet werden. Dementsprechend verändert sich auch der Charakter des Objektes, des vorgegebenen Werkes - aber sehr subtil und vorsichtig. Es ist ein dezentes Verändern mit unaufdringlicher Wirkung. Die Künstlerin spielt mit dem Stofflichen, mit dem Eigenen des Elementes, die Beschaffenheit wird zu etwas anderem – und dies provoziert eine neue Sichtweise. Diese Kunst ist Kunst im Raum, und damit ändert sich auch der Raum selbst, nicht nur die Wahrnehmung desselben. Und dabei ist nebensächlich, ob die Künstlerin ein kleines Objekt von einigen Quadratzentimetern erschafft, oder eine Rauminstallation von mehreren Metern: Sowohl der umgebende Raum, unabhängig und für sich stehend als auch Teil des Ganzen, wird aktiviert und sinnlich erfahrbar. Somit erfährt der Betrachter eine in sich geschlossene, konkrete Kunst, die gleichzeitig eine faszinierende, unscheinbar poetische Kraft ausübt. Diese Ambivalenz, kraftvoll und stringent, belebt und erweitert unseren eigenen Erfahrungshorizont. Der kreative Prozess der Künstlerin verläuft jedes Mal anders, das heißt, die Künstlerin ist auf der unbestimmten Suche nach etwas, dass als kreative Neu- schöpfung irgendwann aus ihr hervorbrechen wird. Der Bezug zum Objekt liegt als Entdeckung vor ihr, wartet, so dass sich ein innerer Dialog zwischen Künstlerin und Material entwickelt, eine Umwandlung nach zweierlei Seiten, dessen Dauer unbestimmt bleibt (ähnlich wie beim Schriftsteller und einem zu entwerfenden Roman). Es geht nicht um eine Wertung, sondern um die prinzi- pielle Offenheit, dieses Objekt als etwas Eigenständiges wahrzunehmen: „...in dem das Sichtbare sichtbar wird, noch bevor das gesehene Ding einen Namen oder einen Wert erhält“, so schreibt John Berger zutreffend. Im Zuge der Ent- deckung und Beschäftigung mit dem Gegenstand öffnen dann chemisch-physikalische Entwicklungsstufen und Arbeiten den weiteren Weg zu Assoziationen, Ideen und Inspirationen, so dass sich etwas Anderes, Ähnliches und Neues entwickeln kann. Und das ist dann der eigentliche Aspekt, der uns anspricht: Ein Moment der Aufmerksamkeit, des Neubesinnens, des Nachdenkens, des Berührtseins. Die sicht- und unscheinbare Symmetrie, die sich bei den Arbeiten Alexandra Karraschs immer wieder einstellt, ist identitätsstiftend und beschert dem Betrachter einen kostbaren Moment. Erik Buchheister in Artprofil, Heft 3/2007, S. 54/55 |