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Laudatio zu "Blitze" / Sabine Aichele-Elsner MA / 5.12.2008

Pressetext zur Ausstellung "Blitze" / Marian Elsner / 2008

Von grotesken Fantasiewesen und bizarren Farbwelten
Josephine Brückner, Kunstwissenschaftlerin / 2009


  In den Malereien von Sebastian Osterhaus, der 1981 in Ibbenbüren (NRW)
geboren wurde und derzeit an der Kunstakademie in Dresden studiert, treffen
scheinbar komplementäre Ansätze aufeinander. So oszillieren seine Arbeiten
zum einen zwischen einem Fotorealismus, der sich in seiner Unschärfe an
Werke von Gerhard Richter anlehnt und einer scheinbaren Zufälligkeit, die
besonders in den frei gestalteten Farbflächen zum Ausdruck kommt. Zum
anderen werden seine großformatigen Ölgemälde von kleinen grotesken
Gestalten belebt, die sich im ganzen Bildraum finden lassen und die oft mit
den realistisch dargestellten Figuren eine Symbiose der besonderen Art
eingehen. Diese Fantasiewesen, die während des Malprozesses mit Edding
in die Arbeiten eingezeichnet werden, erinnern an Werke der Street-Art.
Als würden diese kleinen Wesen sich den Bildraum zu Eigen machen, ihn durch-
dringen und somit Osterhaus’ Malereien wie kleine Parasiten bevölkern und
beleben. In seinem Bild „Voraussicht“ aus dem Jahr 2009 ist das besonders
deutlich zu erkennen. Aber seine Bildwelten enthalten auch innerhalb seiner
naturalistischen Darstellungen spannende Kontraste. Denn hier trifft der
Betrachter auf realistisch gemalte Kreaturen in surrealistischen Szenerien,
die einem in ähnlicher Form auch bei Neo Rauch begegnen könnten. Beispielhaft
dafür ist das Gemälde „Weckdienst“ von 2009, denn dort ist ein realistisch
gemalter Junge zu erkennen, der aber teilweise transparent ist und somit
den Blick auf eine andere Figur im Hintergrund offen lässt. Mit seiner linken
Hand berührt dieser Junge eine tote Kuh, die zwar ebenfalls naturalistisch
dargestellt ist, aber perspektivisch verzerrt wurde.

Diese detailgetreuen und realistischen Figuren im Mittelpunkt der Werke
stehen oft in einem diffusen Verhältnis zu den abstrakten und zum Teil
flächigen Hintergründen, die sich durch einen deutlichen Pinselduktus und
durch gelungene Farbverläufe auszeichnen. In seinen Gemälden, die insgesamt
einen sehr malerischen Stil aufweisen, finden sich aber trotzdem auch Elemente,
insbesondere die grotesken Wesen, die an den Gebrauch von Spraydosen erinnern.
In seinen Bildern werden die Grenzen von Zeit und Raum überschritten und die
einzelnen Ebenen kreuzen sich so, dass die Geschichten ineinander fließen und
dabei ein vollkommenes Ganzes bilden. Diese Überschneidungen führen den
Betrachter in keine bestimmte Richtung der Interpretation, sondern es ist
ihm selbst überlassen, anhand des Gesehenen eigene Geschichten zu kreieren.
Motivisch beschränkt sich Sebastian Osterhaus nicht nur auf Menschen, kleinen
Fantasiewesen und Landschaftselemente, sondern auch Tiere werden ausgesprochen
stark in das Bildgeschehen einbezogen. Die Kompositionen sind wohl durchdacht
und im Gegensatz zu Rauchs poppiger Farbwahl sind Osterhaus’ Malereien von
düsteren, aber kräftigen Farben durchdrungen.

In den Zeichnungen hingegen ist die Farbigkeit eine andere. Allein der weiße
Hintergrund lässt die verwendeten Farben klar und leuchtend erscheinen. Der
Gebrauch von Buntstiften und Edding ist deutlich erkennbar und hebt die
Skizzenhaftigkeit der Zeichnung hervor. Einzelne Stellen erinnern an Kinder-
werke. Diese stehen aber wiederum in einer starken Divergenz zu den real
istisch gezeichneten Figuren und eröffnen somit ein spannungsreiches Feld.
Die Verwobenheit der einzelnen Bildelemente, die Farbwahl und der zeich-
nerische Aspekt evozieren eine Leichtigkeit und Spontaneität, die sich von
der Ernsthaftigkeit der Malereien Osterhaus’ unterscheidet. Zwar ist auch
in seinen Ölgemälden eine gewisse Leichtigkeit existent, welche durch die
eingefügten zeichnerischen Elemente und die nicht immer bis ins Detail
ausgeführten Partien entsteht.

Aspekte wie Realismus im Kontrast zur Fiktion und Abstraktion und die Exaktheit
in der Darstellung gegenüber der zufallsgesteuerten Verwendung der Materialien
scheinen sich gegenseitig zu thematisieren. Sebastian Osterhaus gelingt es, diese
Themen in jeder Darstellungsweise differenziert und dem Material angepasst zu
verarbeiten und somit ermöglicht er dem Betrachter immer wieder neue Einblicke
und Reisen in seine fantasievollen Bildwelten.

Josephine Brückner, Kunstwissenschaftlerin / 2009


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