Mirko Schallenberg

Malerei zwischen Wesenhaftigkeit und Konstruktion

04.09. – 24.10.2020 / Galerie ARTAe Leipzig und Showroom der Galerie

Eröffnung: Freitag, 04. September 2020 / 19 – 23 Uhr

Einführung: Kathrin Rank, Künstlerin, Berlin

Zählbare Gegenstände werden in den Bildern von Mirko Schallenberg präzise komponiert. Die überdimensionale Größe verleiht ihnen noch mehr Bedeutung, die sie sowieso schon haben. Ihre Symbolkraft wird durch die geschickte Kombination der Materialien, deren diverse Oberflächen und vor allem der Malerei erhöht und damit verlebendigt. Das Herauskehren der Wesenhaftigkeit jedes einzelnen Objektes liegt in Schallenbergs Fokus, der den hohen Anspruch hat, eine geniale und unumstößliche Komposition zu finden. Dem Kampf um die perfekte Komposition geht eine aufgebaute Situation mit den realen Gegenständen voraus. Wenn eine Anordnung auf der Leinwand nicht funktioniert, wird diese wieder und wieder gespiegelt, verschoben, Farben werden geändert, Hell-Dunkel-Verläufe variiert, bis hin zum Abschneiden der Leinwand. Diesen Kampf sieht man Schallenbergs Bildern nicht an. Im Gegenteil, die Harmonie und ausgewogene Balance fallen dem Betrachter zuerst auf und es gelingt dem Maler, aus einer Starre der Objekte in die Momenthaftigkeit und ins Philosophische überzugehen.

Zunächst ein paar Gedanken zum oben gezeigten Bild „Transform“: Der Weltatlas ist wohl das Rationalste als Vermessung der Welt im Versuch sich in der Welt zu orientieren: ein Fundament des Wissens. Der Spiegel als praktisches, verführerisches, narzisstisches Element als Sinnbild für Reflexion, die Idee des Erkennens und die Spiegelung einfangend, eine Doppelung und Tiefe im Bild erzeugend, als lehnender Spiegel und als Bodenspiegel hier bewusst auf einem Holztisch eingesetzt. Das Glas ebenso ein vom Mensch gemachter Gegenstand. Durchaus konträr dazu der natürliche Stein, welcher moosbewachsen auf dem Buch liegt und als weiteres Material und ganz im Sinne der sinnlichen Wahrnehmung und Haptik ein wichtiges Element darstellt. Komplimentär korrespondieren die Farben Grün des Steins und Rot im Weltatlas im goldenen Schnitt. Beinahe zufällig scheint die Fliege auf dem stehenden Spiegel zu sitzten und gewinnt trotz ihrer Naturbeschaffenheit durch die Vanitassymbolik und die Kombination der anderen Motive an Kraft. Das Licht der Kerze, zugleich als Symbol für das Element Feuer an sich, spiegelt sich, kommt aus der Natur, wird jedoch vom Mensch beherrscht und verleiht ihm dadurch den Unterschied zum Tier. Also ein wesentliches und Identitätsgebendes Medium. Im stehenden Spiegel begegnen sich Kerze, Fliege und Buch. Der Stein spiegelt sich nicht. Die Frage: Wo kommt das Wasser auf der Spiegeloberfläche her? tut sich auf und bleibt unbeantwortet.

Mirko Schallenberg, Heraufdämmern, 2014, Öl auf Leinwand, 160 x 165

Es ist nicht nur die Vereinzelung der Objekte und der gekonnte Abstand zueinander, der geradezu einen Denkraum zur Wesenhaftigkeit des Einzelnen und der Beziehungen zueinander führt, sondern auch die Oberflächen der Gegenstände. Durch sie erfährt man eine Sinnlichkeit, Licht- und Schattenführung, die nicht nur die Realität der Darstellung ausmachen, sondern auch spielerisch in abstrakte Gefilde führen, in denen wir Flächen, Formen, Konstruktionen, eben Abstraktion wahrnehmen und begreifen. Des weiteren ist es nicht das Psychologische, wie es bei Dali oder Magritte durch die ausgewählten Gegenstände und Kompositionen herausgearbeitet wird, sondern das Wesenhafte, das den absoluten Bezug zur Welt ganz im Sinne von Platons Ideenlehre hat. Das dargestellte Buch ist zwar konkret der Weltaltas steht aber hier in diesem Bild für das realistische Abbild der Uridee eines Buches. Die platonischen unvergänglichen, absoluten Ideen der dargestellten Gegenstände sind in Schallenbergs Bildern wahrnehmbar und eingefroren. Durch die Vernunft erkennbar, das Streben vom Sinnlichen zum Geistigen und vom Besonderen zum Allgemeinen implizierend.

Mirko Schallenberg, Raummaß, 2015, Öl auf Leinwand, 175 x 175 cm

Mirko Schallenberg schloss als Meisterschüler bei Professor Hermann Albert an der Hochschule für Bildenden Künste in Braunschweig 1998 sein Studium erfolgreich ab. Er erhielt das Stipendium im Künstlerhaus Meinersen. Bereits 1995 gründete er die Malergruppe Konvention. 2000 gründete er die Produzentengalerie Konvention (bis 2002) und den Kunstverein Blauer Salon e.V. (bis 2005). Seit 2016 hat er einen Lehrauftrag an der Akademie für Malerei in Berlin inne. Seit 1996 stellt der Maler regelmäßig in Galerien, Kunstvereinen, Museen und Kunstmessen seine Bilder aus und hat so einen festen Stand in der zeitgenössischen Malerei Deutschlands.

Der Maler Mirko Schallenberg lebt seit zwanzig Jahren in Berlin mit seiner Frau und Malerin Kathrin Rank zusammen.

Mirko Schallenberg, Strömung, 2020, Öl auf Leinwand, 125 x 130 cm

Nach der Beteiligung in der kuratierten Gruppenausstellung “das Erschütternde und das Hinreißende” 2020 präsentiert nun Mirko Schallenbach seine Werke erstmalig in einer Einzelausstellung namens „“ in der Galerie ARTAe und im Showroom in Leipzig.

Wir freuen uns auf Euren Besuch und laden sehr herzlich zur Eröffnung am Freitag, 04. September 2020 von 19.00 bis 23.00 Uhr ein.

 

Mirko Schallenberg, Vision, 2020, Öl auf Leinwand, 150 x 130 cm

 

 

 

 

 

 

 

Mirko Schallenberg, Exegese, 2020, Öl auf Leinwand, 120 x 88 cm

ARTAe Galerie & Kunstvermittlung / Gohliser Straße 3, 1. OG, 04105 Leipzig, Germany / Öffnungszeiten: Do – Sa, 15 – 19 Uhr u.n.V.

Showroom Galerie ARTAe: Menckestraße 3, 04155 Leipzig, Germany/ Öffnungszeiten: Mi + Fr 20 – 22 Uhr u.n.V. / http://www.artae.de

ARTAe Galerie Leipzig, Gohliser Straße 3, 04105 Leipzig / Öffnungszeiten: Do. – Sa., 15 – 19 Uhr und nach Vereinbarung / Tel.: 0341 – 355 20 466, info@artae.de, www.artae.de