Claudia Hauptmann – FRAGWÜRDIGUNG

17.05. – 27.09.2026   

Thüringer Museum Eisenach

Das Thüringer Museum Eisenach präsentiert im Marstall eine überragende Retrospektive der Malerin Claudia Hauptmann. Die 1966 in Eisenach geborene Künstlerin wuchs in Gerstungen auf, lebte in Leipzig, Lüskow, Heinrichsruh, Potsdam und seit 2006 in Berlin. Diese Schau zeigt frühe Werke aus ihrer Jugend von 1982 bis hin zu aktuellen Bildern. Einige Arbeiten wurden aus Privatsammlungen geliehen und es freut das Haus, die Künstlerin und die Kuratorin ganz besonders, dass diese Bestandteil sind.

Claudia Hauptmann ist eine figürlich erzählerische Malerin und war bei Gudrun Brüne an der Burg Giebichenstein Meisterschülerin. Mit dieser Prägung und ihrem einzigartigen technischen Können steht sie in der Tradition der Leipziger Schule. Weitere künstlerische Anknüpfungen lassen sich in der Renaissance, im Barock und der Neuen Sachlichkeit finden, wobei Claudia Hauptmann zeitgenössische Elemente einfließen lässt und damit immer wieder Neues erfindet.

Es werden beginnend mit ersten Linolschnitten über Selbstportraits aus unterschiedlichen Phasen, Portraits, Allegorien und Werke mit kunsthistorischen Bezügen und christlicher Ikonografie zu sehen sein. Geschichten über Medusa, Midas, dem Urteil des Paris sind genauso zu finden wie klassische Andachtsbilder, die dann durch den Sprung in die heutige Zeit zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung anregen. Gesellschaftskritische Momente werden malerisch formuliert, bleiben mehrdeutig und sind nie belehrend. Es gelingt dieser Malerin, die Tradition der Malerei der soliden Leipziger Schule mit zeitgenössischen Aspekten auf erfrischende Art und Weise zu verbinden und ihr Publikum zu begeistern. Mit dieser Ausstellung wird den Eisenachern und Gästen eine starke Malerin mit ihrem besonderen Oevre präsentiert.

Ob Allegorien, christlich ikonografische Anlehnungen, stark verdichtete Kompositionen oder Erfindungen von Geschichten, im Zentrum der Malerei von Claudia Hauptmann steht der Mensch in seinen Rollen, Erwartungen, Empfindungen und Fragwürdigkeiten. Es geht um Emanzipation im modernen Sinne. Starke und besondere Frauen der Antike, wie die Medusa, Penelope, Scheherazade werden in das Bildrepertoire aufgenommen und neu interpretiert. Situationen wie die junge Mutter, die Milch von einer Maschine abpumpen lässt, werden erstmals gemalt und in einen grandiosen Zusammenhang gestellt. Ich sehe die Malerin Claudia Hauptmann im kunsthistorischen Kontext neben Frauen, die sich ebenso als Malerinnen durchgesetzt haben, wie zum Beispiel Artemisia Gentileschi, Frida Kahlo und Paula Modersohn-Becker.

Claudia Hauptmann fordert uns zum genauen Hinsehen auf. Sie zeigt uns versteckte Kleinigkeiten und Besonderheiten, sie lockt uns, überbrachte Geschichten wieder zu lesen, neu zu denken. Letztendlich zeigt sie darin einen ganz starken Erfindergeist. Die Malerin schafft Vorbilder, zeigt Menschliches, stellt Fragen und würdigt dabei immer das Humanistische! Aus allen Geschichten lacht uns ein großes Herz und ein liebevoller Humor entgegen!

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und an Thüringer Feiertagen 10 – 17 Uhr

Zum Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie unter dem Link mehr: Kunstvermittlung in Eisenach